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Raus auf’s Land! Die Poesie des Dorflebens in der aktuellen deutschen Literatur

Die Dualität von Stadtleben und Landleben ist seit langem ein literarisches Thema. In der Moderne hat die glitzernde Großstadt mit ihrer technologischen und gesellschaftlichen Dynamik dem beschaulichen Landleben den Rang abgelaufen.

In den letzten Jahren aber tritt das Leben auf dem Dorf wieder in den Fokus. Corona hat unseren Blick auf die Welt verändert bzw. eine schon laufende Neuorientierung beschleunigt.

Das Leben auf dem Land, in einem ruhigen Dorf, fern der Großstadt gewinnt wieder an Faszination. Die Stadt mit ihrem Lärm, der Anonymität und dem hektischen Getriebe rückt als fernes Panorama an die Peripherie. Nah, unmittelbar und wahr sind nur das dörfliche Umfeld, die Natur, die Menschen und Tiere.

Die neuen Arbeitsformen machen einen Wechsel des Wohnorts für viele zu einer realen Chance – oder handelt es sich doch eher um eine Flucht?

Was passiert, wenn die unterschiedlichen Lebenserfahrungen und gegenseitigen Klischees von Stadtmenschen und Landmenschen aufeinander stoßen? Können die Stadtmenschen sich in Landmenschen verwandeln oder entsteht eine neue Lebensform der Post-Coronazeit? In den vorgestellten vier Romanen wird ausgehandelt, was uns in Zukunft in der sozialen Realität weiter beschäftigen wird

 

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Über Menschen

Roman von Juli Zeh

Mit dem Porträt des Dorfes „Unterleuten“ konnte Juli Zeh 2016 einen großen Erfolg bei Publikum und Literaturkritikern verbuchen. Ihr neuer Roman führt wieder hinein in die unmittelbare Gegenwart: Dora zieht aus Berlin in ein kleines Dorf in Brandenburg. Die Großstadt, der Lockdown, ein stressiger Job, ein übereifriger Freund und das ganze Durcheinander in der Welt: Dora wird das alles zu viel. Sie sucht einen Neuanfang mit Landhausgarten und Haustier. Abseits der Dorfidylle trifft sie Menschen, die ihre Vorurteile über die richtige Lebenseinstellung ins Wanken bringen.

Juli Zeh ist eine der erfolgreichsten deutschen Autorinnen. Ihr Erstlingswerk „Adler und Engel“ wurde auch ins Rumänische übersetzt. [Vultur şi înger]

 

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Zandschower Klinken

Roman von Thomas Kunst

Bengt Claasen sitzt im Auto, sein ganzes Hab und Gut im Kofferraum und das Halsband seiner verstorbenen Hündin auf dem Armaturenbrett. Dort, wo es herunterfällt, will er anhalten und ein neues Leben beginnen. Er landet schließlich in Zandschow, einem Nest im äußersten Norden Deutschlands. Die Bewohner des Orts rund um den Laden „Getränke-Wolf“ wollen sich mit den prekären Verhältnissen mitten“in der Pampa“ nicht mehr abfinden. An jedem Wochenende machen sie aus Zandschow das tropische Sansibar: hier kann man arm sein, aber paradiesisch leben, in viel Verrücktheit.

Thomas Kunst führt seinen Helden Bengt aus der Einsamkeit, indem er ihm eine große Imaginationskraft verleiht und das Dorf zu einem Fluchtpunkt jenseits aller Globalisierungskämpfe unserer heutigen Welt verwandelt. „Wir bleiben jetzt hier.“

Thomas Kunst schreibt Lyrik und Prosa. Mit „Zandschower Klinken“ schaffte er den Sprung auf die Shortlist des Deutschen Buchpreis 2021.

 

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Daheim

Roman von Judith Hermann

Der Umzug aus der Stadt aufs Land war für die namenlose Heldin ein Wendepunkt in ihrem Leben. Das Buch erzählt von ihrer familiären Situation, aus der sie entfliehen konnte. Nun hat sie ein gemütliches Haus am Meer, neue Freunde und eine beginnende Liebesgeschichte. Genau beobachtet sie die Natur, erlebt intensiv das Wetter, die Pflanzen und Tiere um sich herum, Ist sie nun angekommen – oder wird ihr Weg weiter führen?

In ihrem viel beachteten Erzählungsband „Sommerhaus, später“ gelang es Judith Hermann 1998 überzeugend, das Lebensgefühl ihrer Generation, der Ende der 1990er in Berlin lebenden Künstler-Studenten-Arbeitslosen-Bohème, darzustellen. Dieser „Sound einer Generation“ wechselt in „Daheim“ in eine neue Tonart.

 

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Miss Merkel – Mord in der Uckermark

Kriminalroman von David Safier

Auch eine gewisse Angela Merkel zieht es 2022 von Berlin in die Provinz. Sie ist nun in Rente und lebt mit Mann und Mops in eine Kleinstadt in Brandenburg. Der Mord an einem ortsansässigen Adligen weckt ihre Lust, schwierige Probleme zu lösen. Die Ermittlungen führen sie mitten hinein in das Gemeinschaftsleben von Klein-Freudenstadt  mit all seinem Klatsch und Tratsch, Gerüchten und Intrigen. Die ehemalige Spitzenpolitikerin entwickelt sich zur Miss Merkel der Uckermark.

„Aber wer interessiert sich denn schon in der großen weiten Welt dafür, was in Klein-Freudenstadt auf dem Markt geflüstert wird?“ – in dieser Krimikomödie wird Klein-Freudenstadt zum Mittelpunkt des Universums.

David Safier ist Drehbuchautor und Schriftsteller. In seinen komödiantischen Geschichten geraten die Protagonisten auf der Suche nach dem Glück in absurde Situationen.

Biblioteca Goethe Institut Bucuresti
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Deniz Utlu, geboren 1983 in Hannover, studierte Volkswirtschaftslehre in Berlin und Paris. Von 2003 bis 2014 gab er das Kultur- und Gesellschaftsmagazin freitext heraus. Sein Debütroman, Die Ungehaltenen, erschien 2014 und wurde 2015 im Maxim Gorki Theater für die Bühne adaptiert. Von 2017 bis 2019 schrieb er für den Tagesspiegel die Kolumne Einträge ins Logbuch. Außerdem hat er Theaterstücke, Lyrik und Essays verfasst (u. a. für FAZ, SZ, Tagesspiegel und Der Freitag). Er forscht am Deutschen Institut für Menschenrechte und veranstaltet am Maxim Gorki Theater die Literaturreihe Prosa der Verhältnisse.

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