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Der Widerspruch zwischen zwei Begriffen

„Wenn du Paul Celan vor dir hättest, was würdest du ihn fragen? Was glaubst du, dass er darauf antworten würde? Wie würderst du die Frage selbst beantworten?” 2020 steht ganz im Zeichen von Paul Celan. Zum hundertsten Geburtsjahr des Autors führen wir die Reihe der Gespräche mit zeitgenössischen Autoren weiter. Hier die Antworten von Alexandru Bulucz, Dichter und Übersetzer.
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Ich würde ihn fragen, ob er weiß, dass „celan“ ein rumänisches Adjektiv ist, das „hinterlistig“ bedeutet. Ob er seine eigenen Gedichte für hinterlistig, also „planmäßig verdeckend“, also hermetisch hält, was ich allerdings deshalb nicht glaube, weil eine Poetik, die das zur Sprache bringen möchte, was keine Präzedenz kennt, nämlich die Shoa, zunächst notwendigerweise im Dunkeln tappen und also um Worte ringen muss. Ich würde ihn fragen, ob er — wie ich — glaubt, dass jene, die ihm Kitsch vorwerfen, ihn im Grunde nach Quiche fragen, weil sie Hunger haben. Ich würde ihn bitten, mehr über den Widerspruch zu sprechen, die zwischen zwei Begriffen waltet, die er in seinen Gedichten verwendet, nämlich: „Helligkeitshunger“ und „Lichtzwang“. Ich würde ihm meinen neuen Gedichtband zum Lesen geben und ihn danach fragen, ob er darin ein poetisches Potenzial erkennt. Sollte er keines erkennen, dann würde ich nie wieder ein Gedicht schreiben. Ich würde ihm sagen, wie neidisch ich auf Edith Horowitz (später Silbermann) bin, die mit ihm das Revolutionslied „Brüder, zur Sonne, zur Freiheit“ singen durfte. Ich würde ihn auf ein Bier einladen und ihn bitten, es auch mit mir zu singen. Ich würde mich nicht von ihm in Beziehungs- und Familienangelegenheiten beraten lassen. Ich würde ihn bitten, mit mir eine Kirche zu betreten, dann einen Beichtstuhl: Einmal darf er der Beichtvater sein, einmal ich …

* Alexandru Bulucz: https://de.wikipedia.org/wiki/Alexandru_Bulucz

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Andra Rotaru
Andra Rotaru
Andra Rotaru este poetă și jurnalistă. Fondatorul revistei online de literatură și multimedia Crevice. A realizat numeroase proiecte la intersecția dintre arte: performance-ul de dans Lemur, prezentat de coregraful Robert Tyree în America și în Europa; documentarul All Together, realizat în cadrul rezidenței The International Writing Program (Universitatea din Iowa, 2014); Photo-letter pairing (fotografie, proiect realizat în colaborare cu numeroși artiști și cu comunitatea din Iowa). Volume publicate: Într-un pat, sub cearșaful alb (2005), Ținuturile sudului (2010); Lemur (2012); Tribar (2018). Lemur a primit premiul „Tânărul poet al anului”, în cadrul Galei Tinerilor Scriitori (2013). Volumul de debut a fost tradus in spaniolă (En una cama bajo la sábana blanca, editura Bassarai, 2008). În 2018, Lemur a apărut la editura americană Action Books (traducere de Florin Bican). Volumul Tribar urmează să apară în Germania, la ELIF VERLAG, în traducerea lui Alexandru Bulucz, în toamna acestui an.

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