| © Drosch Verlag

Empfehlungen von der Leipziger Pop-up-Buchmesse

Dieses Jahr fand im Stadtteil Connewitz nicht nur die beliebte, von Traduki organisierte Balkannacht statt, sondern auch die Pop-up-Buchmesse. Die Initiatoren, Leif Greinus vom Verlag Voland & Quist und Gunnar Cynybulk vom Kanon Verlag wollten auf ein jährliches Event, bei dem das Publikum und die Verlagswelt sich treffen, nicht verzichten. Gleich nach der Absage der traditionellen Buchmesse, wurde in sehr kurzer Zeit klug improvisiert und eine alternative Veranstaltung auf die Beine gestellt. Danke dafür.

Werk 2, ein ehemaliges Fabrikgelände öffnete seine Tore und empfing über 60 unabhängige Verlage, die in einer gemütlichen Atmosphäre ihre Neuerscheinungen präsentiert haben. Das große Interesse an Kultur und Literatur war eindeutig: Die Messetickets waren im Voraus fast komplett ausverkauft. Einige Schriftsteller:innen konnte man in den umgebenden Räumen wie die Cammerspiele, Halle D und das Cafe Suedbrause live erleben. Für drei Euro erhielt man in einer dreißigminütigen Lesung einige Eckdaten über ihre taufrisch veröffentlichten Bücher. In der Messehalle war man mit einem Eintrittsticket, auf einen zweistündigen Aufenthalt beschränkt. Da alles eng getaktet war, konnte man sich nur einen rapiden Eindruck über die Verlagsprogramme verschaffen. Dlite präsentiert einige Buchempfehlungen, die demnächst auch in rumänischer Übersetzung vorgestellt werden sollen, denn auch auf dem osteuropäischen Büchermarkt sind hochaktuelle Themen wie Rassismus, das Anderssein, Identitätssuche und Zugehörigkeit von bewegendem Interesse.

Wallstein 

Elis

Roman, Elis Mariani

Als Ellis ein kleines Kind ist, zerbricht die Ehe ihrer Eltern. Mit ihrer Mutter zieht sie von Italien nach Deutschland. Das Leben in der neuen Umgebung ist schwer, die Kinder in der Schule grenzen sie aus. Eines Tages kommt ein neues Mädchen in die Schule, Grace: Es entwickelt sich eine Freundschaft, die Ellis Halt gibt, ihr das Bedürfnis nach Zugehörigkeit stillt. Bis Grace plötzlich die Seiten wechselt. Jahre danach treffen Ellis und Grace wieder aufeinander und kommen sich langsam näher. Selene Marianis Roman geht einer aktuellen Frage nach: Was bedeutet es, sich weder in dem Land, in dem man lebt, zuhause zu fühlen, noch in dem Land, in dem man geboren wurde?

Orlanda Verlag

Mist, die versteht mich ja!

Roman, Florence Brokowski-Shekete

Die kleine Florence, geboren in Hamburg als Kind nigerianischer Eltern, wird Ende der 60er-Jahre in Buxtehude von einer alleinstehenden Frau in Pflege genommen. Mit acht Jahren nehmen die Eltern sie mit nach Lagos, in ein Land, dessen Sprache sie nicht spricht, dessen Kultur ihr fremd ist, zu einer Familie, die sie nicht kennt. Durch das beherzte Eingreifen einer Lehrerin schafft sie es zurück nach Deutschland und macht dort ihren Weg. In ihrer Autobiografie beschreibt die Autorin mit einer guten Prise Humor die Erlebnisse einer Schwarzen Frau in einer weißen Gesellschaft, den schmalen Grat zwischen witzigen Anekdoten und unschönem Alltagsrassismus, zwischen der Herausforderung, Brücken zu bauen, und Grenzen zu setzen.

Voland & Quist, edition azur

Freudenberg

Roman, Carl-Christian Elze

Der 17-jährige Freudenberg spricht nur gezwungenermaßen mit seiner Umwelt, fühlt sich fremd in ihr. Er hat Sehnsüchte, Phantasien, Träume – aber keine Worte, um sich verständlich zu machen. Also treffen andere die Entscheidungen für ihn. Während eines Familienurlaubs an der polnischen Ostseeküste bietet sich unverhofft die Chance, sein fremdbestimmtes Leben hinter sich zu lassen: An einem verlassenen Strandabschnitt findet er den Leichnam eines Jungen, der von der Steilküste abgestürzt ist. Freudenberg vertauscht Kleidungsstücke, Brieftaschen und Ausweise, inszeniert seinen eigenen Tod und nimmt eine neue Identität an. Doch schon bald überfordert ihn die neu gewonnene Freiheit und er kehrt in die elterliche Kleinstadt zurück, wo man ihn gerade beerdigt hat. Ein Gerüst aus Lügen soll ihm den Rückweg in sein altes Leben ermöglichen, aber dieses Gerüst trägt nicht.

mikrotext

Wie man mit einem Mann unglücklich wird

Roman, Ruth Herzberg

Diese Frau weiß, was sie will, nämlich exakt diesen Mann, seinen Geist und seinen Körper. Sie lernt ihn kennen und will ihn. Aber er will nicht immer. Immer wieder kommt sie nicht los von ihm und dafür nimmt sie sehr viel hin. Wer ist hier der Narzisst? Er oder sie? Eine Geschichte voller Leidenschaft, Obsession, Hingabe, Lust, Wut. Über das Begehren in all seiner Totalität. Einen Traum, in den man sich verbeißt. Ein radikal offen daliegendes Herz. Ein Liebesroman für unsere Zeit.

Parasitenpresse

Kalendarium #7

Lyrik, Adrian Kasnitz

Juli, Hitze und überlaufende Sprache aus Schleifen und Wendungen. Das alles versammelt das Kalendarium #7 von Adrian Kasnitz, der siebte Teilband des Kalendarium-Projekts. Schwimmen, Melone essen, lieben, den Tag auskosten, als gäbe es kein Morgen, heißt auch zu wissen von der Brüchigkeit der Welt, dem verlorenen Paradies, von den Stellen, die schon zerstört sind, den sterbenden Korallenriffen, den eingepferchten Tieren, dem stinkenden Fluss. Immer begleitet von dem Wunsch, die Stadt zu fluten oder alles in Flammen aufgehen zu lassen. Neben den Gedichten enthält das Buch vier Collagen des Autors.

Elif Verlag

auch solche tage waren schon immer da

Lyrik, Katrin Pitz

Katrin Pitz erhielt 2021 für Gedichte aus diesem Band den Leonce-und-Lena-Preis. Über das Buch behauptet Beate Tröger Folgendes: Von Worten zum Wundwundern und solchen, die man verliert oder vergeblich sucht — davon sprechen die Gedichte von Katrin Pitz. Es sind Gedichte, die wahrnehmen, was unter Oberflächen verborgen liegt und erst noch zu entdecken ist, Gedichte, denen das Selbstverständliche fremd ist, wird und bisweilen auch bleibt. Sie sprechen von Kindheitswundern und Kindheitswunden, von Struktur und Zerfall in der Natur und der Sprache. (Beate Tröger)

Schöffling&Co.

 

Leuchtende Schafe

Lyrik, Ulrike Almut Sandig

Von der Erschaffung der Welt ist es in Ulrike Almut Sandigs neuem Gedichtband nur ein »Feuer, Erde, Wasser, Sprung« zur Sinfonie der Berliner Großstadt. Dort gilt es, Position zu halten vor Lampedusa, Nein zu sagen zum Kühlschranklicht und zu Deutschland als befristetem Aufenthalt. Dienen uns leuchtende Schafe als Nachtspeicher für finstere Stunden, wenn wir uns fürchten vor Gott als Turnlehrer mit Trillerpfeife, Müttern mit Augen wie Kakao oder der Staatenbildung unserer Selbst? Sandigs neue Texte sind nicht nur visuelle Poesie auf dem Papier, sondern auch Loops im Ohr und filmische Bild, Explosionen für alle Sinne. Mit Sprechsoftware rückt sie Gedichten der deutschen Romantik zu Leibe und fasst deren koloniale Kehrseite in kunstvolle Anagramme. Vor allem aber schafft die Dichterin in »Leuchtende Schafe« einmal mehr »Welten voller mythischer Bilder, die sich tief ins Bewusstsein eingraben« (Matthias Ehlers, WDR)

kanon Verlag

kork

Roman, Sophia Fritz und Martin Bechler

Sophia, Anfang 20, hat ihr Psychologie-Studium abgebrochen und kellnert in der Weinstube “Bacchus“. Doch sie serviert nie den bestellten Wein. Ob zerstrittenes Ehepaar oder suizidgefährdeter Hedgefondmanager, immer glaubt sie zu wissen, was wirklich getrunken werden muss. Denn nur der genau verabreichte Wein kann das Leben erträglich machen. Der Einzige, den sie nicht betrügen kann, ist Martin. Immer wenn Martin, Musiker, Mitte 40. abgekämpft und voller Geschichten von Tourneen kommt, geht er im „Bacchus“ trinken. Sophia und Martin krönen sich zu Propheten des Weins. “Bacchus” wird ihre Bühne, ihr Hörsaal, ihr eigenes Universum. Gemeinsam verordnen sie die richtigen Weine für die falschen Leben der Anderen.

Wagenbach

 

 

Der kühnste Plan seit Menschengedanken

Roman, Matthias Löhre

Er ist höflich und voller Pläne, sie direkt und voller Zweifel. Irene und Herman begegnen sich 1925 auf einem Überseedampfer, verlieben sich in New York und kämpfen bald in Europa für einen gigantischen Plan. Sie wollen die Welt retten – Gewaltige Dämme sollen das Mittelmeer absenken, Europa und Afrika so zu einem reichen, friedlichen Superkontinent verschmelzen – Atlantropa.

Spannend und lebendig erzählt Matthias Lohre die vergessene Geschichte von Herman und Irene Sörgel. Ein sagenhafter Roman!

Droschl

Eine runde Sache

Roman, Tomer Gardi, Gewinner des Preises der Leipziger Buchmesse

In „Eine runde Sache“ reisen zwei Künstler aus zwei unterschiedlichen Jahrhunderten durch sprachliche und kulturelle Räume und sind immerzu in Bewegung. Fremdheitserfahrungen, Identität, das Leben als Künstler und jede Menge Politik sind die großen Themen des Romans, in dem sich die beiden Handlungsstränge gegenseitig spiegeln. Zuerst schickt sich Tomer Gardi selbst, auf Deutsch verfasst, als literarische Figur mit dem sprechenden Deutschen Schäferhund Rex und dem Elfen- oder gar Erlkönig an seiner Seite auf eine fantastisch-abenteuerliche Odyssee. Im zweiten Teil des Romans, übersetzt aus dem Hebräischen, folgen wir dem im 19. Jahrhundert lebenden indonesischen Maler Raden Saleh von Java durch Europa und zurück nach Asien – ein historischer Roman und zugleich ein Abbild unserer Zeit.

 

Biblioteca Goethe Institut Bucuresti
Biblioteca Goethe Institut Bucuresti
Biblioteca este deschisă publicului larg, iar utilizarea cărților sau a altor medii în bibliotecă este gratuită >> Catalog online (OPAC) >> Onleihe – biblioteca digitală a Goethe-Institut >> Ludoteca >> Biblioteca obiectelor

Weitere Beiträge:

#face2face: Ioana Nicolaie und Ulrike Almut Sandig

Im Jahr 1992 wurde in Bukarest zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Rumänien der Vertrag über freundschaftliche Zusammenarbeit und Partnerschaft in Europa unterzeichnet. Im Jahr 2022 initiiert DLITE Face2Face, eine Reihe von Gesprächen zwischen Schriftsteller:innen aus beiden Ländern, um die Entwicklung und die Vielfalt der zeitgenössischen Ausdrucksformen dieser Kulturen zu erforschen.

#face2face: Cosmin Perța und Adrian Kasnitz

Im Jahr 1992 wurde in Bukarest zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Rumänien der Vertrag über freundschaftliche Zusammenarbeit und Partnerschaft in Europa unterzeichnet. Im Jahr 2022 initiiert DLITE Face2Face, eine Reihe von Gesprächen zwischen Schriftsteller:innen aus beiden Ländern, um die Entwicklung und die Vielfalt der zeitgenössischen Ausdrucksformen dieser Kulturen zu erforschen.

Becoming Visbile: Iulia Dromereschi und Anke Pfeifer

Zum Internationalen Tag des Übersetzens veröffentlicht dlite unter dem Motto „Becoming Visible” eine Reihe virtueller Gespräche zwischen Übersetzer:innen aus dem Deutschen und dem Rumänischen. Dabei geht es uns vornehmlich um Herausforderungen, Vorgehensweisen und die berufliche Erfahrung der Held:innen, die uns fremdsprachige Bücher näherbringen.

#face2face: Raluca Nagy und Nora Bossong

Im Jahr 1992 wurde in Bukarest zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Rumänien der Vertrag über freundschaftliche Zusammenarbeit und Partnerschaft in Europa unterzeichnet. Im Jahr 2022 initiiert DLITE Face2Face, eine Reihe von Gesprächen zwischen Schriftsteller:innen aus beiden Ländern, um die Entwicklung und die Vielfalt der zeitgenössischen Ausdrucksformen dieser Kulturen zu erforschen.