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Maria-Daria Cojocaru | © privat

Mara-Daria Cojocaru: Hilfestellung für den letzten Menschen

Mara-Daria Cojocaru, geboren 1980 in Hamburg, ist Schriftstellerin und Philosophiedozentin. Philosophisch arbeitet sie zu tierethischen und -politischen Themen in der Tradition des Pragmatismus. Derzeit entwickelt sie das Projekt einer tiergestützten Philosophie. Darüber hinaus schreibt sie auch kreativ am liebsten in Gesellschaft anderer Tiere. Sie selbst denkt davon weniger in aktivistischen als in potenzialistischen Begriffen - ihre Hunde halten das für eine ihrer etwas merkwürdigen Eigenschaften, spielen aber trotzdem mit ihr.
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Mara-Daria Cojocaru, geboren 1980 in Hamburg, ist Schriftstellerin und Philosophiedozentin. Philosophisch arbeitet sie zu tierethischen und -politischen Themen in der Tradition des Pragmatismus. Dazu ist im Mai 2021 ihr Sachbuch „Menschen und andere Tiere. Für eine leidenschaftliche Ethik“ bei der WBG erschienen. Für die in ihrem neuen Band „Buch der Bestimmungen“ (Schöffling & Co. 2021) versammelten Gedichte erhielt sie den Alfred Gruber Preis beim Lyrikpreis Meran sowie den Deutschen Preis für Nature Writing. Der Band „Anstelle einer Unterwerfung“ (Schöffling & Co. 2016) wurde mit dem Bayerischen Kunstförderpreis Literatur ausgezeichnet. 2015 war sie Finalistin beim Literarischen März in Darmstadt. Derzeit entwickelt sie das Projekt einer tiergestützten Philosophie. Darüber hinaus schreibt sie auch kreativ am liebsten in Gesellschaft anderer Tiere. Sie selbst denkt davon weniger in aktivistischen als in potenzialistischen Begriffen – ihre Hunde halten das für eine ihrer etwas merkwürdigen Eigenschaften, spielen aber trotzdem mit ihr.

Hilfestellung für den letzten Menschen

Heute also, triffst dich mit Charles1
Vorsitzender der Kommission
Für unseren letzten Menschen

Ahnung, ahnungslos, grob
Welches Geschlecht, wenn überhaupt eines
Welche Sprache, wenn überhaupt eine
Wird er denn sprechen? Wird er Rot sehen
Können? Vielleicht nein. Doch
Das gibt ihm kein Recht auf
Nichtexistenz. Was für ein very wrongful
Leben. Du knirschst die Pläne weg
Weg mit den Spitzen der Weltliteratur, zu der
Bettwäsche gelegt. Was für ein Stuss
Man bläst ihm ein Luftschloss auf
Apokalyptische Hüpfburg, konditioniert den
Universalen Palmarreflex
Doch er muss loslassen: in Hologrammen lachen
Quatschen, schnattern; jedes Leben förmlich
Grüßen können, muss er
Schon. Der Gedanke beschleicht dich
Nicht, er stellt dir ein Bein: Der letzte
Mensch könnte genauso dein Gesicht- und Scham
Loses, Hass schwitzendes
Gegenüber von vorhin sein: das über Tip und Topsy
Lachen oder was in Bedlam witzig finden kann. Allein

Du gehst durch deine Garderobe. Warum
Fragt dich dein Besenstiel, ist dir am
Fortbestehen des Menschen überhaupt gelegen
Kehrsache: Fehlfarben. Wollen wir es nicht
Mit Liebe versuchen2
Dann also: Schnuppernde Bilder, türmendes Licht
Agafias Gesangbuch für jeden Sonnenuntergang
Den er alleine verbringt. Und ein Mobile
Strandgut, letzte, beschädigte Hoffnungsträger
Auf dass er in allem lieben Rat und Herzschlag findet
Dazu ein rastloses Kitzeln in die Fersen genäht
Auf dass er
Nicht vergisst: Er soll die Mengenlehre von den
Bienen lernen, ganz genau. Denn: In einem seiner
Sommer bleibt der Honig aus. Und schwärmend
Mit den Schweinen schwimmen
Das soll er auch

1 Goselmanu, ihr seid nun per Du
2 Huch

 

 

Fisch Öl: lädiert

Ich hab das Gefühl, es hilft
Das Gefühl hilft natürlich: Fischöl
Für posttraumatischen Stress

Ich das Gefühl, ich muss das diesen Fischlein
Sagen, Fischlein, Fisch
Leichen, tiefes Wasser, roter Schnapper
Tiefer, verschmierter Horizont

Aber die Frauen sagen nicht
Stopp – die Erdölbohrung
Sie sagen: Bohr, Baby. Bohrende
Ungewissheit, glitschiger Zweifel, was knabbert
Ein Schnapper nicht alles so weg. Er vermisst
Seine Larven, aber das ist nichts
Gegen den Blauflossenthunfisch: Angriff
Auf die Herzzellen. Nein, ehrlich, das ist
Das intention-to-treat-Prinzip
Komm, Herz, Psychoedukation. Ich hab
Das Gefühl, es hilft nur bei Frauen
Ich bin gerührt. My love story came to an end
Drill, Baby, drill. Ich weiß nicht
Ob es mir hilft: Aber ich sage es noch mal
Therapieversager Dispergator
There was absolutely nothing*

Kein Fisch schwimmt in der Kinderstube
Kein Fischöl nimmt den Schmerz
Kein Fisch kann die Depression erklären
Die wir sehen
. Kein Öl, kein Fisch

 

Aus Anstelle einer Unterwerfung, Schöffling & Co. Verlag

____________

* Sprach die Tiefseetaucherin im Deutschlandfunk, die nicht wusste, was sie sagen sollte, und

© Verlag Schöffling & Co.

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Manuela Klenke
Manuela Klenke
Manuela Klenke (n. 1984) este absolventă a Facultății de Litere (germană/engleză) din cadrul Universității Babeş-Bolyai din Cluj și a Universității din Osnabrück. Din 2010 până în 2018 a predat cursuri de germană ca limbă străină (VHS, Akademie Überlingen). În 2017 a obținut o bursă din partea DÜF pentru traducerea în germană a romanului Interior zero de Lavinia Braniște. În momentul de față lucrează la traducerea volumului de proză scurtă Sȋnii verzi de Florin Iaru. Traducerile ei au apărut în numeroase publicații literare (mosaik, Salz, außer.dem, Steaua, Poesis international).

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