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© © Chris Calviello

Mein lieber Paul…

„Wenn du Paul Celan vor dir hättest, was würdest du ihn fragen? Was glaubst du, würde er darauf antworten? Wie würdest du die Frage selbst beantworten?” 2020 steht ganz im Zeichen von Paul Celan. Zum hundertsten Geburtsjahr des Autors führen wir die Reihe der Gespräche mit zeitgenössischen Autor:innen weiter. Heute kommen wir zurück auf Cosmin Dragoste (Philologe, spezialisiert auf deutsche, vorklassische Zivilisation und Literatur, Übersetzungen und Rückübersetzungen, beziehungsweise deutsche Literatur aus Rumänien).
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Mein lieber Paul,

ich weiß, dir könnte ich schreiben

in jeder Sprache fließt du durch die Ader des Jahrhunderts,

das du losgelassen hast, zusammen mit dem, der in Mühlau ruht,

und dem René Karl Wilhelm Johann Maria

Sag mir, wie wachsen die Spitzen der Buchen auf dem sandigen Boden der Seine?

 

Er dreht sich zu dem Wind, der von Annabichl herweht

und sein Mund oder die Stimme derer aus Klagenfurt sprechen das ungezähmte „R”

„Wir schälen die Zeit aus den Nüssen und lehren sie gehen:

die Zeit kehrt zurück in die Schale”

im Traum sind Flammen durchgezogen, die keinen Halt machen

in Stimmen

fällt das Tumult von gestern herab

wir sind ein Vergessen kleiner geworden

die Wellen und die Haare aus Asche, die von keinem Wasser gewaschen werden können

schau: hinter dem Nister sind sie in Flammen zu einem nie geöffneten

Himmel  gestiegen, die Kohle, die sie in Rom umschlug

sieh: wenn du die dritte Hand öffnest, fließt dadurch die Seine heraus, so wie

die Bäche niemals

ins Bett zurückkehren

dort habe ich nie vergessen, wie jedes Fortgehen

sich in den Freiraum der Abbiegung eines ungeschriebenen Verses niederlässt

hinter den Schleiern ereignet sich nichts

die Ilusion einer zeitweiligen Geburt nach einem letzten Sprung

je tiefer du hineinschaust

die Welt

stürtzt immer wieder auf den Grund jenes Flusses

bis sie erneut die Form annimmt, die sie nie hatte.

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Andra Rotaru
Andra Rotaru
Andra Rotaru este poetă și jurnalistă. Fondatorul revistei online de literatură și multimedia Crevice. A realizat numeroase proiecte la intersecția dintre arte: performance-ul de dans Lemur, prezentat de coregraful Robert Tyree în America și în Europa; documentarul All Together, realizat în cadrul rezidenței The International Writing Program (Universitatea din Iowa, 2014); Photo-letter pairing (fotografie, proiect realizat în colaborare cu numeroși artiști și cu comunitatea din Iowa). Volume publicate: Într-un pat, sub cearșaful alb (2005), Ținuturile sudului (2010); Lemur (2012); Tribar (2018). Lemur a primit premiul „Tânărul poet al anului”, în cadrul Galei Tinerilor Scriitori (2013). Volumul de debut a fost tradus in spaniolă (En una cama bajo la sábana blanca, editura Bassarai, 2008). În 2018, Lemur a apărut la editura americană Action Books (traducere de Florin Bican). Volumul Tribar urmează să apară în Germania, la ELIF VERLAG, în traducerea lui Alexandru Bulucz, în toamna acestui an.

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Daniela Chana, 1985 in Wien geboren, promovierte an der Universität Wien im Fach Vergleichende Literaturwissenschaft. Ihre Kurzgeschichten und Gedichte wurden bereits in zahlreichen Literaturzeitschriften (Lichtungen, kolik, entwürfe, etcetera, Am Erker, …). Ihr Lyrikdebüt „Sagt die Dame“ (Limbus Verlag, 2018) wurde unter die „Lyrik-Empfehlungen 2019“ der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung gewählt. Am 15. Februar 2021 erschien ihr Erzählband „Neun seltsame Frauen“ im Limbus Verlag.